Drei-Phasen-Modell

Es gibt zahlreiche kriminologische Konzepte, welche die Abläufe von Geldwä­scheprozessen beschreiben. Eines der geläufigsten ist das so genannte Drei-Pha­sen-Modell.

Folgt man diesem Erklärungsmodell, so lässt sich der Geldwäscheprozess in drei Phasen unterteilen:

  • Placement (Platzierung),
  • Layering (Umschichtung) und
  • Integra­tion (Wertschöpfung).

PLACEMENT (Platzierung)

In dieser ersten Phase der Geldwäsche wird der Vermögenswert in das legale Wirt­schafts­system eingeschleust. Die dazu verwendeten Mechanismen hängen von der Be­schaffenheit des Vermögenswertes ab und können variieren. In der Regel wird es sich beim inkrimi­nierten Vermögenswert um Bargeld handeln. In jenen Fällen, in denen der erlangte Vermögensvorteil eine andere Form hat, muss auch dieser in den Wirt­schafts­kreislauf eingebracht werden. So könnten etwa aus einer Phishing-Attacke stammen­des Giralgeld, gestohlener Schmuck, Elektrogeräte, Kunstgegen­stände oder sogar gestohlene Fahrzeuge und andere werthaltige Güter wie Wert­papiere oder Kryptowäh­rungen Gegen­stand der Platzierung sein.

Das Einbringen erfolgt auf jene Weise, welche für die Art des Vermögenswertes und dem Ziel des Kriminellen am ehesten zielführend ist.

Beispiele:

  • Einzahlung der Beute aus einem Raub oder Diebstahl auf das eigene Giro­konto (kleinere Summen);
  • Transfer von Einkünften aus dem Suchtmittelverkauf im Wege von Zah­lungs­dienstleistern (MVTS – Money Value Transfer System);
  • Empfang einer betrügerisch erlangten Transaktion (Phishing) durch einen Fi­nanz­agenten;
  • Erwerb von Wertkarten und Gutscheinen, um damit weitere Dienstleis­tun­gen zu finanzieren;
  • Nutzung bargeldintensiver Geschäfte (Restaurants, Massagesalons, an­dere Servicedienst­leistungen) für das Einbringen von Bargeld;
  • Überschreiten von Staatsgrenzen zur Verschleierung der persönlichen Zu­sam­men­hänge (Erpressung in Italien, Geld wird in Georgien einbezahlt und über­wiesen);
  • Verkauf von Diebesgut über den Handel (Wertsachen, Elektrogeräte) oder
  • Nutzung von Pfandhäusern/Pfandleihern, um Diebesgut in Bargeld zu ver­wandeln.

Um inkriminierte Vermögenswerte möglichst unauffällig in den Wirtschafts­kreis­lauf einzubringen, nutzen Kriminelle die Methoden des „Smurfing“ und „Struc­turing“.

LAYERING (Umschichtung)

Ist der Vermögenswert einmal Bestandteil des legalen Wirtschaftskreislaufes ge­wor­den, wird er im Rahmen des so genannten „Layering“ (Deutsch: Umschichtung) ver­schleiert. In dieser Phase des Geldwäscheprozesses kommt es dem Geldwäscher darauf an, durch komplexe und undurchsichtige Transaktionen den Bezug zur Vor­tat gänzlich zu durchtren­nen und somit die Nachverfolgung durch Strafverfolgungs­behörden zu er­schweren oder ganz unmöglich zu machen. Oberstes Ziel dieser Geldwäschephase ist die Stiftung von Verwirrung beim externen Beobachter, Er­mittlern oder auch jenen Be­rufsgruppen, welche zur erhöhten Aufmerksamkeit ver­pflichtet sind. Dabei ist den Kriminellen jedes Mittel recht. Neue Tech­nologien und Möglichkeiten werden ge­nauso genutzt wie alt bewährte Methoden.

Dazu sind insbesondere folgende Vorgangsweisen geeignet:

  • Gründung von Unternehmen / Schaffung intransparenter Strukturen; Structuring;
  • Einsatz von Finanzagenten, Money Mules und/oder Strohleuten;
  • Investition in wertvolle Güter;
  • Investition in Aktien;
  • Erwerb virtueller Währungen;
  • Verwendung intransparenter Verträge;
  • Pseudo- / Scheindienstleistungen.

Die Phase des Layering ist meistens jene Phase, in der durch Verpflichtete Unregelmäßigkeiten erkannt und nicht selten auch gemeldet werden.

Aufgrund ih­rer Beschaffenheit ist es aber auch jene Phase, in welcher eine Strafverfolgung zu­neh­mend schwierig ist, da der Konnex zur Vortat in den seltensten Fällen nachgewiesen werden kann.

Aus diesem Umstand ergibt sich auch die in Relation zur Meldezahl niedrige An­zahl von gerichtlichen Verurteilungen wegen Geldwäsche.

Wer nun aber meinen würde, die Meldung von Verschleierungsaktivitäten sei nicht relevant, der irrt. In all jenen Fällen, in denen gegen Personen bereits wegen der Be­ge­hung gerichtlich strafbarer Handlungen ermittelt wird, kann eine Ver­dachts­meldung mitunter der entscheidende Beweis sein, um dieser Person krimi­nelles Handeln nach­zuweisen und die inkriminierten Vermögenswerte sicherstellen zu können.

INTEGRATION (Wertschöpfung)

In der Phase der Integration ist der Vermögenswert gewaschen und die Verbindung zur strafbaren Handlung lässt sich nicht mehr nachweisen. Vielmehr erscheint es so, als ob der Kriminelle seinen Vermögenswert aus legitimen geschäftlichen Akti­vitäten er­wirt­schaftet hat. Das kann etwa ein Einkommen von einem (vermeintlich) gut gehenden Restaurant oder einem anderen Unternehmen sein. Aber auch Spiel­gewinne sowie Er­löse aus dem Ver­kauf oder der Vermietung einer Immobilie oder einem Wertpapierver­kauf können als legitime Quelle genannt werden.

Ziel der Geldwäscher ist es, fiktive Belege und Herkunftsnachweise für Vermögenswerte zu generieren, um die Mittelherkunft zu legitimieren. Geldwäscher nehmen dafür einen Abschlag von bis zu 60% in Kauf!

Der Prozess der Geldwäsche ist abge­schlossen, wenn die Herkunft der Vermö­gens­werte vollständig legitimiert ist und eine Verbindung zur Vortat nicht mehr nachge­wie­sen werden kann.