Elena Scherschneva - Traumasensible Begleitung und Supervision für Berater:innen

5 Tipps für LSB: eigene Trigger erkennen und integrieren.

Du kennst das bestimmt. Manchmal fährt in einer Beratung das Nervensystem hoch, obwohl du professionell präsent bist. Du bist getriggert.

Gerade als Berater:in ist es oft ungünstig. Aber dein Körper hat nun mal seine eigenen Ideen.
Wie du damit umgehen kannst, erfährst du in diesem kompakten Beitrag.

Tipp 1: Körpersignale scannen

Wofür: Frühwarnsystem aktivieren.

Wie?

Richte für 1–2 Atemzüge die Aufmerksamkeit auf drei Marker: Atem – Kiefer – Bauch.

👉🏻 Mini-Check: „Atem flach? Kiefer fest? Bauch eng?“
👉🏻 Mikro-Regulation: länger aus- als einatmen (z. B. 4/6), Zunge kurz vom Gaumen lösen, Füße am Boden spüren.

Danach: Notiere ein neutrales Symbol (•) im Protokoll: „Aktivierung bemerkt“.

Tipp 2: Benennen statt bewerten (innerer Satz)

Wofür: Distanz zur Reizspirale.

Wie?

👉🏻 Option 1 - still/für dich: „Da ist Ärger/Unsicherheit/Scham.“ (kein „ich bin“).
👉🏻 Option 2 - laut, professionell: „Ich nehme gerade viel Information wahr, ich höre kurz zu Ende und sortiere.“

Danach: 1-Zeiler ins Journal: Auslöser – Gefühl – Körpermarker. Max. 30 Sekunden.
Tension always requires attention
- Dr. Gabor Maté

Tipp 3: Kontrolle über das Tempo übernehmen

Wofür: Dich im Kontakt halten, statt dich zu verlieren.

Wie? 

👉🏻 Pausen als Tool: „Einen Moment — ich fasse zusammen, ob ich Sie richtig verstehe.“ (Du atmest, strukturierst, spiegelst.)
👉🏻 Fokus schmaler machen: „Wenn Sie an diese Stelle denken—welcher Satz wäre die Überschrift?“
👉🏻 Rahmen hüten: Wenn’s zu viel wird: „Machen wir hier einen Punkt und nehmen es im nächsten Termin wieder auf.“

Danach: Notiere, welche Verlangsamung (Zusammenfassung, Überschriftfrage, Vertagung) gut wirkte.

Tipp 4: Anteil identifizieren
(Wer ist gerade aktiviert?)

Wofür: Innenführung statt Autopilot.

Wie?
frage dich: „Wer meldet sich? Kritiker? Retter? Perfektionist:in?“

👉🏻 Kurzer innerer Reframe: „Danke, ich hab’s. Ich übernehme.“

Danach: 3-Zeilen-Reflexion:

👉🏻 Auslöser (Wort, Ton, Haltung),
👉🏻 Teil (Retter/Kritiker/Perfektionist etc.),
👉🏻 Was er brauchte (Tempo, Klarheit, Grenze).
Deine Trigger zeigen dir den nächsten Schritt.

Tipp 5: Nachsorge, die wirklich passiert
(5-7 Minuten)

Wofür: Integration statt Grübeln.

Direkt nach der Session:

👉🏻 Ausschütteln + Blick weit: 3 tiefe Ausatemzüge, Schultern lösen, Blick aus dem Fenster (Weitwinkel).

👉🏻 Mini-Protokoll: Eine Zeile „Was hat mich getriggert? Was hat mich wieder geerdet?“

👉🏻 Ein Satz an dich: „Genug für heute. Ich nehme das Wesentliche mit, den Rest lasse ich hier.“

Später (wöchentlich):

👉🏻 Kurze Musterliste führen: Top-3-Auslöser, Top-3-wirksame Gegenmittel.

Persönlicher Blick aus meiner Praxis

Es gibt Momente, in denen ich im Gespräch spüre, wie es in mir leiser wird: Ein Teil will retten, ein anderer drängt zum schnellen Ergebnis. Früher habe ich dagegen angekämpft. Heute nicke ich ihnen innerlich zu: Ich sehe euch. Ich übernehme. Zwei ruhige Atemzüge, die Zunge vom Gaumen, Füße am Boden – und ich bin wieder da. Präsenter. Wärmer. Klarer.

In Supervision erlebe ich oft dieses kleine Aufatmen bei Kolleg:innen, wenn sie ihre eigenen Trigger zum ersten Mal freundlich benennen. Die Schultern sinken, der Blick wird weicher. Plötzlich ist wieder Platz für den Menschen vor ihnen – und für sie selbst. Nähe und Grenze gleichzeitig. Kein Kraftakt, eher wie ein Einrasten.

Und genau das liebe ich an dieser Arbeit: Wir müssen uns nicht hart machen, um professionell zu sein. Wenn wir unsere inneren Bewegungen führen, wird das Gespräch strukturierter, die Fragen präziser, die Stille tragender. Man geht aus der Session nicht „perfekt“, aber aufgerichtet – mit einem klaren Kopf und einem ruhigeren Herz.

Was du heute sofort testen kannst

👉🏻 Lege dir 3 Marker fest (Atem–Kiefer–Bauch) und scanne sie in jeder Session einmal.

👉🏻 Wähle einen Leitsatz: „Da ist [Gefühl]. Ich übernehme.“

👉🏻 Starte ein 1-Zeilen-Nachprotokoll pro Termin (Auslöser → geerdet durch → nächstes Mal).

Merksatz: Nicht „perfekt funktionieren“. Fühlen.
Dich selbst zuerst — dann das Gegenüber.
Lust, deine eigenen Trigger mit Ruhe und Struktur zu betrachten?

In der Supervision übersetzen wir Körpersignale und innere Stimmen in klare Schritte – freundlich, im passenden Tempo und ohne Überforderung.

So gehst du aus Gesprächen präsenter, mit klaren Grenzen und einem ruhigeren Nervensystem.