Dr. Gabor Maté beschreibt Co-Abhängigkeit als
Konflikt zwischen unserem Bedürfnis nach Authentizität und Bindung.
Schon als Kind haben wir ein tiefes Bedürfnis nach emotionaler Bindung zu unseren Eltern –
wir müssen geliebt und versorgt werden, um zu überleben. Gleichzeitig haben wir das
Bedürfnis, authentisch zu sein, also unsere echten Gefühle zu spüren und auszudrücken.
Wenn Kinder jedoch bemerken, dass unsere authentischen Gefühle die Bindung gefährden könnten, entscheiden sie sich – unbewusst – fast immer gegen die Authentizität und für die Anpassung.
Ein Kind wird lieber „brav“ sein und Gefühle wie Wut, Angst oder Traurigkeit unterdrücken, nur um weiterhin akzeptiert und geliebt zu werden.
So sichert es zwar die Bindung (und damit sein Überleben), bezahlt aber den Preis, sich von seinem wahren Selbst zu entfremden. Diese Überlebensstrategie wird zur zweiten Natur: Im Erwachsenenalter glauben viele schließlich, “so bin ich halt“, ohne zu merken, dass ihr eigentliches Ich unter all den Anpassungen verborgen liegt.
Diese Dynamik erklärt, warum wir später oft in co-abhängige Verhaltensmuster geraten.
Auch die Selbsthilfe-Gemeinschaft
Adult Children of Alcoholics (ACA) – gegründet für Erwachsene aus Suchtfamilien – beschreibt typische Muster, die hier hineinspielen.
👉🏻 Viele Betroffene entwickeln ein
überentwickeltes Verantwortungsgefühl: Es fällt ihnen viel leichter, sich um die Probleme anderer zu kümmern als um die eigenen.
👉🏻 Co-Abhängige
fühlen sich oft schuldig, wenn sie einmal ihre eigenen Bedürfnisse durchsetzen oder gegenüber anderen Nein sagen.
👉🏻 Häufig haben sie bereits in der Kindheit gelernt,
eigene Gefühle zu verdrängen – bis zu dem Punkt, dass sie gar nicht mehr richtig wissen, was in ihnen vorgeht.
Studien und Therapeut:innen bestätigen, dass Co-Abhängigkeit im Kern ein “hoch intelligenter Anpassungsprozess” an frühe Unsicherheiten ist – allerdings auf Kosten der eigenen Identität und Bedürfnisse.
Wie aber kannst du selbst solche co-abhängigen Dynamiken bei dir erkennen? Hier sind drei Ansätze, drei Fragen, die du dir stellen kannst: