Elena Scherschneva - Traumasensible Begleitung und Supervision für Berater:innen

Was ist IFS (Internal Family Systems)?

Das interne Familiensystem nach Dr. Richard Schwartz ist ein achtsamer Ansatz, um mit inneren Anteilen zu arbeiten – traumasensibel, klar strukturiert und gut integrierbar in die psychosoziale Beratung.

Alle meine Teile

IFS (Internal Family Systems) ist ein psychologisches Modell, das Menschen hilft, mit ihren inneren Anteilen in einen achtsamen und klärenden Dialog zu treten.

Entwickelt wurde es von Dr. Richard C. Schwartz, der in seinen Sitzungen als Familientherapeut beobachtete, dass sich Klient:innen häufig widersprüchlich verhielten, weil in ihnen unterschiedliche innere "Stimmen" wirkten.

In seinem Ansatz geht er davon aus, dass unsere Psyche aus verschiedenen Teilpersönlichkeiten besteht – sogenannte Anteile –, die alle in Beziehung zueinander stehen. Ergänzt wird sein Modell durch das "Selbst": den inneren, unzerstörbaren, Kern, der ruhig, mitfühlend und führungsfähig ist.

Warum IFS für die psychosoziale Beratung relevant ist

In der traumasensiblen Beratung begegnen wir immer wieder Menschen, die sich innerlich zerrissen oder blockiert fühlen.

Das Modell bietet ein strukturiertes, wertschätzendes Verständnis dafür, warum diese Zustände auftreten – ohne pathologisierend zu wirken.

Auch wir als psychosoziale Berater:innen können IFS-Elemente nutzen, um Klient:innen in der Selbstwahrnehmung und Selbstführung zu stärken.

Wichtig: Die Teilearbeit nach dieser Methode ersetzt keine Traumatherapie – es kann aber traumasensibles Begleiten wirkungsvoll vertiefen.
Die Grundannahme von IFS:

"Jeder Teil hat eine positive Absicht"

Die innere Systemlandschaft: Drei Hauptrollen der Anteile

Richard Schwartz unterscheidet drei Hauptgruppen innerer Anteile:

1) Manager 
Manager sind kontrollierende, vorsorgende Anteile, die versuchen, das Leben "im Griff" zu behalten und unangenehme Gefühle zu vermeiden

2) Feuerwehrleute (Firefighters)
Reaktive Anteile, die impulsiv handeln, um akuten inneren Schmerz zu unterbrechen.

Diese Anteile Arbeiten oft mit Ablenkung, Rückzug, Selbstsabotage oder  fördern Suchtverhalten.

3) Verstoßene Anteile (Exiles)
Junge, oft überwältigte Anteile, die emotionale Wunden aus der Vergangenheit tragen.

Exiles werden vom System meist isoliert, um das Funktionieren aufrechtzuerhalten

Ziel der IFS-Arbeit ist es nicht, Anteile "wegzumachen", sondern sie zu verstehen, ihre Funktionen zu würdigen – und sie dann sanft zu entlasten, wenn das Selbst (siehe unten) wieder die Führung übernommen hat.

Das Selbst und die 8 Qualitäten (7 C's + 1 P)

IFS geht davon aus, dass jede Person ein inneres Selbst besitzt, das in der Lage ist, alle Anteile liebevoll zu führen. Dieses Selbst ist nicht etwas, das erzeugt werden muss – es ist immer da, wenn genug Ruhe im System ist.

Was ich persönlich besonders interessant finde: Laut Dr. Schwartz lässt sich das "Selbst" nicht zerstören. Es ist immer da und kann gefunden werden.

Das Selbst zeigt sich durch bestimmte Qualitäten, die als „8 Cs“ (bzw. 7 Cs + 1 P) beschrieben werden:

💎 Calmness (Ruhe)
💎 Curiosity (Neugier)
💎 Clarity (Klarheit)
💎 Compassion (Mitgefühl)
💎 Confidence (Vertrauen)
💎 Courage (Mut)
💎 Connectedness (Verbundenheit)

💎 Presence (Präsenz)


Diese Eigenschaften sind in jedem Menschen angelegt – IFS hilft, sie (wieder) zugänglich zu machen.
Das "Selbst" ist unzerstörbar und kann durch achtsame Teilearbeit Schritt für Schritt wieder die Verantwortung übernehmen.

Anwendung in der Beratungspraxis

In der psychosozialen Beratung kann IFS unterstützend eingesetzt werden, um:

👉🏻 innere Konflikte zu benennen und zu entwirren
👉🏻 mit Scham, Wut oder Überforderung konstruktiv umzugehen
👉🏻 Ressourcen und Selbstführung zu stärken

Das alles ist im gesetzlichen Beratungsrahmen möglich. Wir begleiten Anteile, wir "heilen" sie nicht.

Schon das wertfreie Erkennen und Benennen innerer Stimmen kann zu Entlastung und Klarheit führen – und ermöglicht dem Gegenüber, sich selbst besser zu verstehen.

Diese Arbeit funktioniert unter anderem deswegen, weil sie:

👉🏻 Sicherheit durch Struktur bietet
👉🏻 dem Tempo der Klient:innen folgt
👉🏻 nichts aufdeckt, was nicht bereit ist, gesehen zu werden
Grafik zum IFS-Modell: Darstellung der inneren Anteile – Kritiker, Manager, innere Kinder und verletzte Exiles – nach Richard Schwartz.

Persönlicher Blick aus meiner Praxis

In der Supervision und Einzelselbsterfahrung begleite ich regelmäßig Berater:innen, die merken, dass sie innerlich in verschiedene Richtungen gezogen werden: ein Anteil will helfen, ein anderer zweifelt, ob genug getan wird, und wieder ein anderer sehnt sich nach Ruhe.

Mit Hilfe des IFS-Modells werden diese inneren Stimmen hörbar – und oft zum ersten Mal voneinander unterscheidbar.

Wenn Berater:innen lernen, diese Anteile mit Mitgefühl wahrzunehmen statt gegen sie anzukämpfen, entsteht spürbar mehr innere Harmonie und Präsenz.

Sie berichten, dass sie in ihrer Arbeit präsenter, klarer und strukturierter werden – und gleichzeitig geduldiger und verständnisvoller mit sich selbst.

Genau das macht Teilearbeit für mich so besonders: Sie führt nicht weg von uns selbst, sondern näher zu dem ruhigen, wachen Kern, der schon immer da war.

Fazit

IFS ist ein wertvolles Modell für alle, die Menschen achtsam, nicht-dirigistisch und ressourcenorientiert begleiten wollen.

Es verbindet psychologische Tiefe mit einer Haltung, die auf Vertrauen und Selbstheilungspotenzial setzt.

Für psychosoziale Berater:innen in Österreich bietet IFS eine kraftvolle Ergänzung – innerhalb der rechtlichen Grenzen, aber mit großem Wirkungsspielraum.
Wenn du mehr darüber erfahren oder diesen Ansatz in Supervision oder Einzelselbsterfahrung kennenlernen möchtest, lade ich dich herzlich ein, dich bei mir zu melden.

Gemeinsam können wir erkunden, wie behutsameTeilearbeit deine Präsenz im Business wirksam verbessern kann.