Ich erinnere mich an eine Beratungssituation, in der plötzlich alles, was ich wusste, in den Hintergrund rückte.
Eine Klientin erzählte ruhig, fast sachlich, von einer Situation, in der sie sich als Kind ohnmächtig gefühlt hatte. Während sie sprach, spürte ich, wie sich in mir etwas zusammenzog – mein Atem wurde flach, mein Körper spannte sich an. Ich blieb präsent, aber innerlich war ich in Alarmbereitschaft.
Als psychosoziale Berater:innen arbeiten wir nicht am Trauma. Und doch kann es in Gesprächen vorkommen, dass Erlebnisse berührt werden, die das Nervensystem sichtbar belasten. In solchen Momenten braucht es innere Stabilität – und ein Bewusstsein dafür, was im eigenen Körper geschieht.
Ich habe damals gemerkt: Mein Wissen reichte nicht aus, um ruhig zu bleiben, wenn alte Stressmuster aktiviert werden.
Also begann ich, mich tiefer mit der
Polyvagaltheorie und den Reaktionen des Nervensystems zu beschäftigen. Ich wollte verstehen, warum wir manchmal „anspringen“, obwohl wir wissen, dass gerade keine reale Gefahr besteht. Diese Suche führte mich schließlich zu
Compassionate Inquiry (CI) – einem Ansatz, der meine Arbeit als Beraterin nachhaltig verändert hat.